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17.05.2012

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Ausland
Österreich: Rechtspopulisten stilisieren sich als Opfer
Reaktion auf Proteste in Österreich

Rechtspopulisten stilisieren sich als Opfer

Ein Burschenschaftsball am Holocaustgedenktag - allein dies sorgte in Österreich für Wirbel. Noch mehr Empörung löste FPÖ-Chef Strache aus. Er verglich die Proteste gegen den Ball mit dem Vorgehen der Nazis gegen die Juden. Es sei typisch, dass die FPÖ Gegner zum Feind erkläre, so ein Experte.

Von Christoph Peerenboom, ARD-Hörfunkstudio Wien

Der Burschenschaftsball in der Wiener Hofburg vom vergangenen Freitag sorgt in Österreich noch immer für Wirbel. In der Ballnacht soll der Chef der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz Christian Strache, seine Anhänger mit verfolgten Juden verglichen haben. Damit fühlen sich all jene bestätigt, die die Veranstaltung ohnehin als Tummelplatz für Extremisten kritisiert hatten.

Proteste vor der Wiener Hofburg (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Tausende Demonstranten forderten: "Es hat sich ausgetanzt". ]
Auf dem Wiener Heldenplatz protestierten am Freitagabend Tausende Demonstranten dagegen, dass  Burschenschafter, FPÖ-Funktionäre und europäische Rechtsaußenpolitiker ausgerechnet am Internationalen Holocaust-Gedenktag das Tanzbein schwingen wollen.

Drinnen in der Hofburg nutzte Strache die Proteste zum verbalen Gegenangriff auf die Demonstranten. Journalisten mit Mikrofon und Kamera waren beim Ball nicht zugelassen, aber einer der Teilnehmer stellte ein selbst gedrehtes Video von der Strache-Rede ins Internet: "Die Diffamierungen und böswilligen Angriffe, denen dieser Ball im Vorfeld ausgesetzt war, haben nahezu alles überboten, was in den vergangenen Jahren geschehen ist."

Vergleich mit Juden schlägt hohe Wellen

Die Demonstranten draußen auf dem Heldenplatz bezeichnete Strache als "antidemokratische Gewalttäter", die Burschenschafter dagegen als Vorkämpfern der Versammlungsfreiheit. Zu späterer Stunde wurde der FPÖ-Chef dann offenbar noch deutlicher. Tobias Müller, Reporter bei der Wiener Zeitung "Standard", hatte sich inkognito unter die Ballbesucher gemischt und folgendes Zitat von Strache mitgehört: "Er hat wortwörtlich gesagt, diese Angriffe auf die Burschenschafter-Buden, das war wie die Reichskristallnacht, und: Wir sind die neuen Juden."

Dass der FPÖ-Chef seine Anhänger mit den Opfern des Holocaust gleichgesetzt haben soll, das schlägt nun hohe Wellen: Strache verharmlose die Gräueltaten der Nazis, heißt es bei der SPÖ. ÖVP-Vizekanzler Spindelegger zeigt sich empört, die Grünen forderten Strache auf, seinen Vergleich sofort zurückzunehmen, andernfalls müsse er zurücktreten.

Audio: "Wir sind die neuen Juden": FPÖ-Chef Strache sorgt für Empörung

AudioChristoph Peerenboom, ARD-Hörfunkstudio Wien 31.01.2012 20:29 | 3'36
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Bundespräsident Fischer setzt Zeichen

Ein besonders deutliches Zeichen kommt vom österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer: Er sagte die Verleihung eines staatlichen Ordens an Strache ab. Strache habe die Proteste gegen den Burschenschaftsball mit den Verbrechen der Nationalsozialisten in Zusammenhang gebracht, ließ der Bundespräsident mitteilen. Deshalb wird die ohnehin umstrittene Verleihung des Ehrenzeichens an den FPÖ-Chef nun vorerst ausfallen.

Strache selbst hat sich bisher nur schriftlich geäußert, und zwar auf seiner Facebook-Seite: "Der neue Faschismus nennt sich heute Anti-Faschismus", hat er da vor kurzem gepostet, und schreibt wörtlich von "völlig aus dem Zusammenhang gerissenen falschen Zitaten".

Stilisierung als Opfer

Experten wie den Kommunikationswissenschaftler Walter Ötsch von der Universität Linz überrascht es nicht, dass FPÖ-Vertreter sich immer wieder als Opfer darstellen – dies sei schon unter Jörg Haider so gewesen: "Man fühlt sich sehr, sehr schnell verfolgt. Das heißt, der Gegner wird nicht, wie in einem normalen politischen Diskurs, als Gegenstandpunkt wahrgenommen, mit dem man sich auseinanderzusetzen hat, sondern der Gegner ist ein Feind, der einen bedroht und der einen letztlich vernichten will."

Genau in dieser Diktion hatte FPÖ-Chef Strache auch schon wenige Tage vor dem Burschenschaftsball seine Kritiker angegriffen: "Ja, wo leben wir? Wir leben in einer Demokratie, aber nicht in einem totalitären System, wo man Andersdenkende wegsperrt, verächtlich macht oder sozusagen zum Abschuss freigibt."

Die Anhänger der FPÖ haben solche Äußerungen bisher jedenfalls nicht gestört: In einer aktuellen Polit-Umfrage kurz vor dem Ball in der Hofburg landete die Strache-Partei bei 28 Prozent.

Stand: 31.01.2012 20:07 Uhr
 

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