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Nach dem Tod von zwölf Zivilisten bei der Großoffensive in der südafghanischen Provinz Helmand zieht die Internationale Schutztruppe ISAF Konsequenzen. ISAF-Kommandeur McChrystal entschuldigte sich bei Präsident Karsai und kündigte an, Zivilisten künftig besser zu schützen.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien
[Bildunterschrift: US-General Stanley McChrystal will die Menschen in Afghanistan vor Gewalt schützen. ]
Als US-General Stanley McChrystal im Sommer des vergangenen Jahres das Oberkommando über die internationale Schutztruppe in Afghanistan übernahm, da machte er seinen Soldaten eine klare Ansage: "Die Menschen in Afghanistan sind unsere Mission. Wir müssen sie vor jeder Gewalt schützen." Deswegen bat der Vier-Sterne-General seinen Präsidenten um 40.000 weitere Soldaten - und bekam 30.000. Auch die anderen NATO-Staaten bat Stanley McChrystal um Verstärkung, Deutschland hat fürs erste 500 zusätzliche Soldaten zugesagt.
[Bildunterschrift: ]
Diese Truppen-Verstärkung auf insgesamt rund 130.000 Mann ist ein wichtiger Pfeiler in seiner Strategie. Der 55-Jährige will so oft wie möglich auf Luftangriffe verzichten, bei denen immer wieder Zivilisten ins Visier geraten. Statt dessen will er Präsenz am Boden zeigen.
Seine Truppen aus mehr als 40 Nationen sollen gemischte Einheiten mit den Soldaten der afghanischen Armee bilden. Und sie sollen dauerhaft in den Gebieten bleiben, die sie erobern, um sicherzustellen, dass die afghanische Regierung die Kontrolle übernehmen kann. Die Aufbauarbeit soll mit dem Einmarsch der Soldaten beginnen. Es geht darum, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, sagt der Vier-Sterne-General.
Der Irak-erfahrene Spezialist für Aufstandsbekämpfung ist überzeugt von seiner Strategie: Im Sommer 2011 werden die Menschen in Afghanistan realisiert haben, dass die Aufständischen nicht gewinnen können, und dann werden sie ihre Regierung unterstützen, so McChrystal.
2011 ist auch das Jahr, in dem sein Präsident Barack Obama mit dem Abzug beginnen möchte. Die jetzt laufende Operation Muschtarak in der südafghanischen Provinz Helmand ist der erste große Test der neuen Strategie, in deren Zentrum das Wohl der Bevölkerung stehen soll. Aber wenn wie am Sonntag Raketen ihr Ziel verfehlen und das Haus einer Familie treffen, dann leidet das Konzept, das vom Vertrauen der Bevölkerung abhängig ist.
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Der Oberkommandierende der ISAF hat sich sofort für den Tod der zwölf Zivilisten entschuldigt. Es ist nicht das erste Mal, das er sich entschuldigen muss. "Es ist ganz schwierig. Der junge Soldat, der sich in der Schlacht befindet, muss abwägen. Er kann Luftunterstützung und Artilleriebeschuss anfordern, um sein Leben zu retten, und das können wir ihm nicht wegnehmen."
Wichtig sei wes aber auch, dass die Soldaten verstehen, dass alles, was sie tun, Konsequenzen hat, so McChrystal. "Wir sind hier, um die afghanische Bevölkerung zu schützen. Wir wollen sie vor Gewalt schützen, vor der der Taliban genauso wie vor unserer. Wir arbeiten daran, dass unsere Truppen mit größter Vorsicht operieren. Sie müssen alles, was sie tun, gegenüber dem Risiko abwägen, dass sie jemanden verletzten könnten.“
Es kommt erschwerend hinzu, dass seine Soldaten in einem Gebiet kämpfen, in dem sie von der Bevölkerung ganz überwiegend als feindliche Besatzer wahrgenommen werden, die ihnen ein neues Leben aufzwingen wollen. In der südafghanischen Provinz Helmand leben vor allem Paschtunen. Die Volksgruppe ist sehr religiös und lehnt viele westliche Werte ab.
Die Paschtunen siedeln vor allem im Süden und Osten Afghanistans, entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze. Sie haben bisher am wenigsten von der internationalen Hilfe profitiert, dafür aber am meisten unter der Gewalt gelitten. Gebiete zu erobern ist immer möglich. Sie zu halten, ist ungleich schwerer.
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