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17.05.2012

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Ausland
Afghanische Taliban wollen Auslandsbüro in Katar eröffnen
Afghanische Taliban wollen Vertretung in Katar eröffnen

Ein Büro für Verhandlungen - ohne ein Friedensangebot

Die afghanischen Taliban wollen eine offizielle Auslandsvertretung in Katar errichten. Nach Aussage der Aufständischen soll das Büro helfen, sich besser mit der internationalen Staatengemeinschaft verständigen zu können. Auf Gewalt verzichten will die radikal-islamische Gruppierung allerdings vorerst nicht.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Vor allem die USA und Deutschland hatten sich in den vergangenen Monaten für die Eröffnung eines Verbindungsbüros der Taliban in Katar stark gemacht, um den Krieg zu beenden, noch bevor die eigenen Kampftruppen Ende 2014 abziehen. In der Absichtserklärung, die nun die Runde macht, heißt es seitens der Aufständischen, dass man eine politische Vertretung eröffnen wolle, um sich besser mit der internationalen Staatengemeinschaft verständigen zu können.

Ernsthaftes Interesse an Friedensgesprächen?

Kämpfer der Taliban (Archivbild 2009) (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kämpfer der Taliban (Archiv) ]
Es bleibt allerdings unklar, ob die Taliban ernsthaft an Friedensgesprächen interessiert sind, die von ihnen verlangen, vorher ihre Waffen niederzulegen und die neue, afghanische Verfassung zu akzeptieren. Auch bleibt unklar, ob alle Fraktionen, die der afghanischen Taliban-Bewegung angehören, wirklich hinter der Eröffnung einer politischen Vertretung in Katar stehen. Die jetzt veröffentlichte Erklärung dementiert zudem westliche Medienberichte, nach denen es bereits Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern der Taliban und der USA gegeben haben soll.

Die Bereitschaft zur Eröffnung eines Büros in Katar ist offenbar zudem an die Bedingung geknüpft, dass mehrere afghanische Häftlinge aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo entlassen werden. Tatsächlich scheint es in Washington konkrete Überlegungen zu geben, in naher Zukunft mehrere Taliban-Häftlinge als Zeichen des guten Willens zurück nach Afghanistan zu bringen.

Karsai hat Widerstand aufgegeben

Präsident Hamid Karsai wiederum hat vor wenigen Tagen seinen Widerstand gegen ein mögliches Taliban-Büro in Katar aufgegeben. Ihm wäre ein Büro innerhalb Afghanistans am liebsten gewesen, wohl aus Furcht, dass im Ausland auch Gespräche ohne ihn stattfinden könnten. Doch in der letzten Dezemberwoche hatte er sich dem internationalen Druck gebeugt und seine Zustimmung in einer schriftlichen Erklärung veröffentlicht.

Kenner Afghanistans sind sich einig, dass es trotz eines möglichen Büros schwer sein wird, echte von falschen Taliban-Gesandten zu unterscheiden. Erst im vergangenen September hatte ein mutmaßlicher Vertreter der Taliban-Gruppe von Mullah Omar den Vorsitzenden des Hohen Afghanischen Friedensrates durch ein Selbstmordattentat getötet.

Der Hohe Friedensrat soll im Namen der afghanischen Regierung mit den Aufständischen verhandeln. Arsalah Rahmani, eines seiner Mitglieder, hat die Katar-Ankündigung der radikal-islamischen Bewegung als einer der ersten begrüßt. Er war während der Taliban-Herrschaft der stellvertretende Bildungsminister des Regimes und gehört zu denen, die das Versöhnungsangebot der Regierung Karsai angenommen haben.      

Stand: 03.01.2012 17:04 Uhr
 

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