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Seit Tagen suchen Wissenschafter fieberhaft nach dem Infektionsherd für die zahlreichen EHEC-Erkrankungen in Deutschland. Seit gestern ist bekannt: Mindestens drei aus Spanien stammende Gurken aus dem Hamburger Großmarkt waren verseucht. Doch wie und vor allem wo ist der Erreger auf das Gemüse gelangt?
Einen ersten möglichen Hinweis gab nun einer der Produzenten, ein Sprecher der spanischen Firma Frunet. Er sagte den Tagesthemen, dass Gurken aus seinem Betrieb nachweislich unbelastet nach Hamburg geschickt und dort am 16. Mai eingetroffen seien. Sein Kunde habe kurze Zeit später eine E-Mail geschrieben und mitgeteilt, dass die Palette mit der losen und unverpackten Ware beim Transport umgekippt sei. Er werde sie nun sortieren und nur die Zahl der Gurken bezahlen, die er noch verkaufen könne.
Frunet haben diesem Vorgehen zugestimmt. Nun gehe er davon aus, dass die Gurken auf diese Weise verunreinigt worden sein könnten, so der Sprecher weiter.
Die genauen Umstände sind jedoch völlig unklar - weder ist bekannt, wo genau sich das Gemüse befand, als die Palette umfiel, noch weiß man, was möglicherweise vorher dort gelagert wurde. Der SWR-Umweltexperte Axel Weiß sagte im Gespräch mit tagesschau.de, er halte die Erklärung von Frunet für nicht naheliegend. "Aber derzeit lässt sich auch nicht ausschließen, dass die Verunreinigung auf diesem Weg entstanden ist", so Weiß.
Das Hamburger Hygiene-Institut hatte EHEC-Darmkeime gestern zudem jedoch nicht nur auf Proben von zwei Frunet-Gurken nachgewiesen, sondern auch auf der Gurke eines weiteren spanischen Unternehmens - nach Medienberichten handelt es sich um die Firma "Hort o Fruticula" - sowie auf einer vierten Gurke, deren Herkunft noch überprüft wird. Nicht bekannt ist, ob alle verunreinigten Gurken vom gleichen Händler auf dem Hamburger Großmarkt verkauft wurden.
Die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) wies zudem ausdrücklich darauf hin, dass noch nicht feststehe, ob die Gurken tatsächlich die Infektionsquelle für die aktuellen EHEC-Erkrankungen seien. Derzeit werde untersucht, ob die Bakterienstämme mit denen der Erkrankten übereinstimmten, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt. Er erwarte die Ergebnisse in einigen Tagen.
Im Zusammenhang mit dem gefährlichen EHEC-Erreger hat es einen weiteren Todesfall gegeben. Eine Seniorin aus Cuxhaven sei in einem Bremer Krankenhaus gestorben, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Bei der Frau des Jahrgangs 1934 war eine EHEC-Infektion labordiagnostisch nachgewiesen und sie litt an der schweren Darminfektion, dem sogenannten Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS). Zudem wurde inzwischen bei einem schon bekannten Todesfall vom Mittwoch mittlerweile der tödliche Erreger nachgewiesen.
Das spanische Gesundheitsministerium befasst sich inzwischen ebenfalls mit den EHEC-Erkrankungen in Deutschland. Man stehe in Verbindung mit zwei Agrarbetrieben, aus denen die kontaminierten Gurken stammen könnten. Die Untersuchungen liefen noch, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass das Gemüse bei der Handhabe und Verarbeitung in Deutschland verunreinigt worden sei.
Der Handel zog inzwischen trotz aller Unklarheiten erste Konsequenzen. Deutschlands größter Handelskonzern Metro strich spanische Salatgurken vollständig aus dem Gemüseangebot. Auch auf dem Hamburger Großmarkt sei der Umsatz mit Salat, Tomaten und Gurken stark zurückgegangen, teilte der Betreiber mit. Zahlreiche Großküchen und Kantinen verzichten ebenfalls auf rohes Gemüse. Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte vor zwei Tagen vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten insbesondere in Norddeutschland gewarnt. EHEC-Erkrankte hätten dieses Gemüse häufiger verzehrt als gesunde Vergleichspersonen.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen steigt die Zahl der Infizierten weiter an. RKI-Präsident Reinhard Burger sagte im ARD-Morgenmagazin, seit dem Vortag seien 60 neue HUS-Fälle - also schwere Verläufe der EHEC-Infektion - dazugekommen. Damit stieg die Zahl auf knapp 280. Drei Deutsche starben bislang nachweislich an den Folgen der Infektion: eine 83-Jährige in Niedersachsen, eine 89-Jährige in Schleswig-Holstein sowie eine 24-Jährige in Bremen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa gibt es bundesweit mehr als 700 Verdachts- und bestätigte EHEC-Fälle - die meisten davon in Norddeutschland.
Laut EU-Kommission wurden aber auch aus Schweden zehn Erkrankungen, aus Dänemark vier, aus Großbritannien drei und aus den Niederlanden eine Erkrankung wegen einer EHEC-Infektion gemeldet. Die meisten Fälle beträfen Reisende aus Deutschland. Die Kommission mahnte Personen, die kürzlich Deutschland besucht haben, bei blutigem Durchfall unverzüglich zum Arzt zu gehen.
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